Wie viel hab ich mir in letzter Zeit doch anhören müssen. Meule, jetzt schreib doch mal was, lass doch mal was von dir hören, bis irgendwas von wegen deine Mutter… blablabla… habt ihr kein eigenes Leben?
Jaja, um euch mal wieder ein bisschen neidisch zu machen eine kleine Geschichte aus Mexiko. Eigentlich sind es zwei, aber sie hängen in diesem Fall unweigerlich zusammen…
Am Samstag hab ich mit Angela ihren Abschied aus Mexiko und meinen Geburtstag gefeiert. Da wir in Mexiko City gefeiert haben mussten ich damit vorlieb nehmen, von meinem alten mexikanischen Freundeskreis nur eine Freundin begrüßen zu können. Aber alles halb so wild, die Wohnung war gegen Mitternacht voll mit netten, fröhlichen und betrunkenen (gerade die letzten beiden Eigenschaften können ja auf Partys oftmals wie eins betrachtet werden) Menschen. Zur Feier des Tages bzw. der Nacht hatten wir Mariachis eingeladen, die die Menge zum Tanzen und die Mexikaner zum Mitgrölen brachten. Ein absolutes Spektakel!!! Mittendrin hat mir eine Freundin, die ich vor kurzem kennengelernt hatte, erzählt, dass sie durch einen Freund umsonst zum Konzert von Bob Dylan diese Woche ginge. Ich, was blieb mir auch anderes übrig, hab natürlich darauf gepocht, dass sie mich doch mitnehmen könne.
Soweit so gut, am nächsten Tag war das inmitten der ganzen anderen verschwommenen Partyerinnerungen in die hintersten Ecken meines etwas angeschlagenen Gehirns gerückt. Bis sie mich am Abend fairer- und freundlicherweise daran erinnerte und mir versprach, sich um die Tickets zu kümmern. Es kam wie es kommen musste, denn sie konnte für mich ein Ticket, natürlich gratis und dazu noch in der dritten Reihe (!!!), für den Mittwoch besorgen.
Das Konzert war ein absoluter Traum. Musikalisch herausragend und mit einer starken Band – wobei ich immer wieder dachte, dass die Musik doch eher in eine verrauchte Bar bzw. an einen verrauchten Pokertisch als in einen spießigen mit reinen Sitzplätzen ausgestatteten Konzertsaal passte. Inmitten der schönen abwechslungsreichen Lieder hatte ich außerdem die ganze Zeit nur ein Lied im Kopf, in der Hoffnung er würde es spielen. Ich kam aber nicht drauf, wie es hieß… deeeee-diiiin-dindindiinnn… erstes Lied auf Robins Bob Dylan CD, immer wieder gehört in nächtlichen Pokerrunden und dazu fähig die müden Gemüter aufzuheitern… Ich wollte nicht drauf kommen und meinte die ganze Zeit nur wie ein kleines Kind, ‘wenn er doch nur mein Lied spielen würde…’! Nach etwa einanderthalb Stunden Bob Dylan ging mir plötzlich ein Licht auf, es war mit etwas unangenehm und mir wurde außerdem bewusst, dass ich “mein” Lied heute wohl nicht mehr zu hören bekommen würde (siehe spießige Konzertsaalatmosphäre). Deeeee-diiin-dindindiiinnn… Well, they stone you’re trying to be so good… They’ll stone you just a-like they said they would… undsoweiterundsofort… Auch wenn mir Bob den Gefallen nicht mehr tun wollte, konnte mich trotzdem damit trösten, ein sauberes Konzert mit einigen Klassikern gehört zu haben!

