Okaaaaaaayyyy,

nach Äonen des Schweigens, hier mal wieder ein Informationspaket. Ich entschuldige mich für die lange Sendepause! Verschiedenste Umstände wie die Hände, die mit zu tun voll sind, und ganz toller Besuch (Huhu, Nadja! :D ) hielten mich vom Computerus fern. Nachteil für euch: das wird jetzt natürlich recht viel Gefasel. Nun aber zu den Fakten! Wir sind mitten im dritten Monat meines Aufenthalts im großen Apfel. Fast Drittelpause und somit Zeit für ein Resümeh. Was hat sich zugetragen?

Das Semester geht in die Zielgerade, was man zweifelsfrei an meinen gut gelaunten Augenringen ablesen kann. Viel zu tun, aber zum Ausgleich sehe ich arbeitsfreien Semesterferien entgegen. Fairer Deal, das gab’s schon länger nicht mehr! Von zwei Kursen ist einer (European and American Cities) ziemlich ätzende Laberei, die Hausarbeit wird aber ganz nett, so dass man’s aushalten kann. Der zweite (Ethnography Research) ist spitze, mit einem sehr witzigen und guten Dozenten, fitten Mitstreitern und einem lustigen Projekt: Ich glotze Leuten in der Metro in die Augen und warte drauf, dass mir einer eine kellt (so in etwa…). Dann mach ich noch eine „independent study”, was so viel heißt wie kümmere dich um deinen Scheiß und sieh zu wie du am Ende eine Hausarbeit draus machst. Der Prof kackt derbe drauf und lässt mich gerne mal auf meinen Fragen sitzen. Da habe ich noch einiges vor mir, fürchte ich.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich eine sehr nette Sportstätte gefunden, an der ich nun seit geraumer Zeit die Fäuste schwinge. Der Laden ist in der Bronx, wird von einem City Department betrieben und belastet daher nicht zu sehr den Geldbeutel. Mindestens eine Dusche ist immer kaputt und läuft 24/7. Einmal bin ich einem Typen in der Dusche begegnet, der ein riesiges Kreuz hatte und zum Duschen ne Badehose anhatte. Auf den Gängen im ersten Stock hängen eingerahmte Fotos mit Titeln wie „Leadership” (ein Weißkopfadler im Profil), „Courage” (ein majestätischer Löwe), „Commitment” (ein Elefant), usw. Sehr amerikanisch, das.

Die nach Abzug von Uni und Sport verbleibende Zeit verbringe ich dann ganz gerne mal mit den Leuten, die ich hier quasi schon frei Haus geliefert bekommen hab: der Joscha, meine Programm-Kolleginnen, Antoine (aka Francois, aka le Baguette, du weißt schon Janosch), und Randall, ein Kumpel aus Philadelphia, der seit langem in New York lebt. Die großen neuen Freundschaften haben sich noch nicht ergeben. Ich hab wohl auch noch nicht den ganz großen Aufwand betrieben, um daran was zu ändern. Mal sehen, was da noch geht…

Dann natürlich die Wahl: Amiland berauscht sich an der eigenen Demokratie, WM-Stimmung in den Straßen, Fahnenmeere, OBAMAAAAAAA. Der Heiland spricht in seiner Rede von „the greatest nation on earth”. Schauder…

So, das waren im Prinzip die Eckdaten. Noch einige Anekdoten zur allgemeinen Erheiterung:

Die antisemitischen CD-Verkäufer („Hey, check out ‚my‘ CD!”) an der Ecke 34th St./Broadway habe ich mittlerweile gut unter Kontrolle. Durch geschicktes Ausnutzen menschlicher Schutzschilder gelingt mir in den meisten Fällen die Flucht ohne größere Zwischenfälle.

Sehr schön: Ich und eine Freundin in der Nähe des Union Square, orientierungslos. Ich frage den nächsten Passanten nach der Richtung. Tom Cruise antwortet, indem er sein Hollywood-Lächeln anknipst: „I don’t know, um, eh…” und blickt rüber zu Katie, Die hat auch nur Zahnfleisch, aber keinen Rat übrig, und das Töchterchen aufm Arm weiß vielleicht bescheid, kann aber bisher nur sabbern. Zum Glück gibt’s noch Ortskundige -angekommen sind wir dann schon noch.

Extrem stark auch: Ein Pillow-Fight war angesetzt. Man sollte sich versammeln, zur abgesprochenen Uhrzeit die Kissen zücken und 15min Keilerei veranstalten. Leider waren außer einigen Dutzend Kissenkämpfern auch GI Joe und seine Bullentruppe am Start. „100$ fine for a swing with the pillow, guys!”. So stellt man sich’s vor im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Geschwungen haben wir dann aber doch noch, kurz und eingeschüchtert. Vorschlag: Im Sommer wird so ein Ding in Berlin gedreht, und ihr alle kriegt mächtig eins übergebrezelt!

Nun gut, ich hätte noch ein, zwei auf Lager, aber ich entlasse euch lieber mal. Man sollte die Freundschaft nicht auf zu harte Proben stellen. Danke für’s Zuhören, beste Grüße, und ich hoffe es geht euch allen behstäns! Lasst von euch hören, wenn’s mal passt. Wenn nicht, sieht man sich hoffentlich Weihnachten. 23.12. bis 4.1. wird Berlin unsicher gemacht!

Gehabt euch wohl!

Die Nicose

Ps. Sorry für die triple mail attack, aber ich wollte fotos und mail nich mischen. Wer weiß wie viele von euch steinzeit-mailaccounts mit euch rumschleppen…

Pps. An alle Viadrina-Kandidaten: Euer Prof entpuppte sich recht schnell als Pedofisling, der’s mit dem einen Mädel aus meinem Programm etwas zu gut meine („Willst du dir noch meine Wohnung anschaun?”)…nach der dritten Woche Seminar!! Räudiger Peter!

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2008-11-11

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