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Jetset nach London

Mai 7th, 2008 by Meuler · 2 Comments · Ausland, Berlin, Fußball, Kosmoproleten, Reise | wong it!

Jaja, die Meulesau meldet sich mal wieder zu Wort. Lang lang ist es her, aber ich habe es immer wieder zu Recht auf infrastrukturelle Probleme in Nordneukölln geschoben. Doch jetzt wo ein neuer Hype um Lattenipper und Becksgoldtrinker im nördlichen Rand des Bezirks entsteht, ist dank der ausufernden Gentrifizierung das Internet auch bei uns angekommen.

So kommt es, dass ich nicht nur jetzt dazu in der Lage bin, den im weiten Kosmos lebenden Proleten mal wieder einen Statusbericht abzuliefern, sondern auch einen Flug nach London buchen konnte.

Manche kommen nach Berlin um am ersten Mai Steine zu schmeißen, ich fliege nach London um denen auzuweichen. Donnerstag Abend kam ich an und bezahlte auch prompt genauso viel für den Weg zum Haus einer Freundin wie für den kompletten Hinflug. Das sind echt Zustände auf der Insel, da kann man nur froh sein, dass uns der Eurokurs so stark entgegenkommt.

Am Freitag in aller Früh ging es dann nach Leeds, um Lea und die beiden Argentinier bei ihrem ersten Theaterauftritt auf englischem Boden als Techniknerd zu begleiten. Beim Namen Leeds fiel mir immer nur Leeds United und Industrie ein. Bei beidem ist mir immer noch nicht ganz klar warum. Hatte Leeds United in seinen Jubeljahren etwa irgendeinen uns bekannten großen Spieler? Das Theaterstück war ein eher mäßiger Erfolg und mangels finanziellen Reserven beschlossen wir, die Zeit bis zu unserer Busfahrt um 6 Uhr morgens in der Zugstation zu verbringen. Wie das aussieht wenn drei Schauspieler in einem Bahnhof übernachten, seht ihr hier:

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Was man auf diesem Foto aber leider nicht sieht sind lauter halbstarke junge Engländer/innen, die jeden Stereotyp über die Inselbewohner noch einmal übertrafen. Die Männer überwiegend in Jogginghosen und gerne auch kahlgeschoren laut am Grölen. Die Frauen bei gefühlten Minusgraden (in der Realität vielleicht etwa 5 Grad) allesamt mit Minirock, hochhackigen Schuhen, T-Shirts mit großzügigen Ausschnitten und hässlich wie die Nacht. Es ging soweit, dass man schon fast Angst bekommen konnte, von einer dieser Grotten angesprochen zu werden… Was sowohl männliche als auch weibliche Artgenossen gemein hatten war bis oben hin voll zu sein. Die Frauen torkelten mit großen Schwierigkeiten sich auf den Beinen zu halten vorbei und die Männer kamen nicht besser gehend schonmal vorbeigetaumelt und gaben einem von uns mit den Worten “I love ya! I take care of you and you take care of me!?!” einen Kuss auf die Hand. Aha… Wir habens aber glücklicherweise überstanden und kamen am nächsten Mittag wieder in London an, wo wir freudestrahlend von unserer dortigen Gastfamilie empfangen wurden (die Eltern von einer englischen Freundin aus Buenos Aires, die aber selber zur Zeit noch in Brasilien ist). Beim darauf folgenden Spaziergang über Flohmärkte und gentrifizierte, aber echt lebendige Straßen in Notting Hill stellte ich zu meiner noch größeren Freude fest, dass Sterotypen nicht immer erfüllt werden müssen und nicht alle Engländerinnen von solch einer Hässlichkeit gesegnet sind. Die nächsten beiden Tage verliefen ohne weitere nennenswerten Vorkommnisse ruhig mit der unglaublich gastfreundlichen Gastfamilie und einer weiteren erheblich positiveren Aufführung in London.

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Mittlerweile bin ich auch wieder auf Neuköllns Straßen angelangt und erfreue mich an den billigen türkischen Lebensmittelläden und der gleichen Anzahl schwörender Halbstarker…

Prost!

Tags: Inselaffen·Jetsetting·Stereotypen

2 responses so far ↓

  • 1 Tom Hengst // Mai 10, 2008 at 11:18

    Ich begrüße es sehr, dass sich der Meulomat ganz pflichtbewusst mal wieder zu Wort gemeldet hat. Dies soll doch bitte Anlass dazu geben, selbst mal wieder in die Tasten zu hauen und der Proleten-Gemeinde etwas mitzuteilen! Dabei schiele ich nich nur nach Nord-Neukölln, sondern möchte auch Südsterner, Dresdener und Exil-Proleten sowie Möchte-Gern-Lichterfelder von der Hermannstr. aufrufen wieder/mal aktiv zu werden!

    Wer geht heute übrigends zum Straßenfest? Und gibt es schon gemeinschaftliche Pläne für den Karnevalsumzug?

    Handschlag.

  • 2 nicotek // Mai 23, 2008 at 11:16

    Mein lieber Meulomader,

    unser gemeinsamer Grundschulheld, Tony Yeboah, wechselte nach einer nur mäßigen Saison bei der Frankfurter Eintracht zur Saison 95/96 zu Leeds United. Daher vermutlich deine Kenntnis diesesr unsäglichen Stadt. Macht sie nicht unbedingt liebenswürdiger…

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