En la cancha de Boca vamos a ganar…ida y vuelta…schallt es durch die voll besetzten Ränge…
Wenn man von von Fußball in Argentinien hört ist zumeist entweder von den rivalisierenden River Plate (traditionell eher reicher) und Boca (Arbeiterverein) die Rede. Die Dinge sollten jedoch so ihren Lauf nehmen, dass ich weder zu dem einen noch zu dem anderen Verein gegangen bin. In Verzweiflung angesichts der an diesem Wochenende abschließenden Saison habe ich am Dienstag die Spielansetzungen durchsucht, mit geringen Erwartungen vielleicht doch noch ein Spiel in Argentinien zu sehen. Zumindest eins! River ist irgendwo im grauen Mittelfeld versunken und für Boca ist es so gut wie unmöglich so spät noch Karten zu bekommen (spielen diesen Sonntag das letzte Spiel, siehe Anfang und Ende des Artikels). So blieb für mich quasi als einzige und letzte Option, zu einem Spiel von Lanús gegen Gimnasia zu gehen. “Who the fuck is Lanús (von Gimnasia ganz zu schweigen)…?”, fragt sich nicht nur der fußballbegeisterte Ausländer, sondern vielleicht auch der ein oder andere Argentinier. Oder auch “Que hacen acá…?” im Stadion… Aber dazu später… Mittlerweile weiß ich, dass Lanús Spitzenreiter mit den besten Chancen auf den Titel am letzten Spieltag ist, 600000 Einwohner hat, noch nie Meister geworden ist und mit dem Bus ca. 45 Minuten von Buenos Aires (gemütlicher, aber langwieriger) und mit dem Zug ca. 15 Minuten (in etwa mit einem Viehtransport zu vergleichen) entfernt liegt.
Zum Glück kenne ich jemanden aus Lanús, der Marlene und mir, seinem Kumpel, seinem Bruder und Neffen und sich selbst Karten besorgen konnte. Ich, stolz wie Bolle und glücklich wie ein kleines Kind, auf dem Weg ins Stadion. Die Atmosphäre dahin ungefähr als wenn halb Lichterfelde kurzerhand sich dazu entschließen sollte, ins Stadion Lichterfelde zu gehen. Ruhig und familiär mit gelegentlich duftenden “Choripan” Ständen. Beim Stadion angelangt wird es deutlich lauter und die Stimmung ähnelt eher Karneval, mit Trommeln und im Kreis tanzenden und singenden Menschenmassen. Herrlich! Oben am Stadiondach sind vereinzelte Jugendliche zu sehen, die gelassen ihre Beine runterbaumeln lassen. Wir machen uns auf den Weg rein (5 Minuten anstehen und 2 Sekunden Kontrolle) und drinnen angelangt folgt die nächste Überraschung. Die Tribüne eine steile Steintreppe ohne eine einzige Absperrung… Ich verschwende schonmal einen Gedanken daran, was bei einem Tor oder noch unschöner bei Gegentoren passieren sollte… Bilder von Massenpanik schwirren durch meinen Kopf… aber was solls! Wir kämpfen uns ein paar Reihen hoch und verschwinden im Kollektiv von glücklichen Lanús Anhängern. Die Leute sind nicht nur glücklich und fröhlich, sondern auch ausgesprochen freundlich und schlißen uns sofort in ihre großen Lanús Herzen. Wir danken ihnen dafür durch bedingungslose Begeisterung auf den Rängen und rege Teilnahme an den etlichen Fängesängen…!

Das Spiel geht los und glückliche bis ungeduldige Menschenmassen warten auf das erste Tor… Das lässt auch nicht lange auf sich warten und ich bin wirklich erleichtert, in der Freude nicht mehrere Treppenstufen runter geworfen zu werden… das Spiel nimmt seinen Lauf und nach dem 4:0 sind die letzten Zweifel ausgeräumt, dass Lanús am letzten Spieltag im Stadion von Boca Meister werden wird (“En la cancha de Boca vamos a ganar…”). Wir sind natürlich mit vollem Herzen dabei und werden auch zu den Meisterschaftsfeiern eingeladen…

Auf dem Rückweg hat es dann noch ein bisschen was von WM Stimmung, mit Autokorsos und ausgelassen feiernden Menschen auf der Straße bei angenehmen knapp 20 Grad…
Der erste und vorerst letzte Stadionbesuch also ein voller Erfolg!

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2007-12-01

Ein Kommentar zu: Lanús

  1. nicotek sagt:

    mein lieblings-fangesang aus argentinien ist immernoch der von den newell’s old boys, aufgeschnappt bei der 1:4-heimschlappe selbiger gegen schießmichtot…

    die sich selbst “leprosos” (leprakranke) nennende hincha sang damals in endlosschlaufe:

    soy leprosoooooo
    este sentimientooooo, no puedo paraaaar,
    olé olé olé olé,
    olé olé olé olá,
    olé olé olé olé,
    cada dia te queiro mas…

    das ganze mit der dem alkoholpegel entsprechenden inbrunst…noch heute kommt mir gänsehaut, wenn ich daran denke…
    sehr schön auch: die steinstufen im stadion…ich vergleiche die situation immer gerne mit einem zünftigen metalkonzert, bei dem die moshpit aus eben jenen steinstufen besteht…der perfekte ort für massenextase und ausgiebeige pogo-tänze!


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