Neukölln boomt. Das ist ja an sich nichts neues und doch treten die Zeichen der Industrialisierung immer deutlicher zu Tage.
Besonders hervorstechen tut natürlich “Europas modernster Technologiepark” im Süden des Bezirks: Adlershof, im Volksmund auch als “Yard of the eagle” bezeichnet. Da geht einiges: “Moderne Technologiezentren entstanden in spektakulären Denkmalen und Neubauten.” oder auch “spektakuläre und preisgekrönte Architektur”. Das “Zentrum für Photonik und Optische Technologien” hat hier genauso seinen Sitz wie das “Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie”. Direkt daneben findet man leicht Bessy wer nicht wissen sollte, was das ist, hier:”Die Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung (BESSY) betreibt die derzeit einzige deutsche Synchrotronstrahlungsquelle der dritten(!!!) Generation. Der Speicherring BESSY II liefert extrem brillante Photonenpulse von der langwelligen Terahertz-Region bis hin zur harten Röntgenstrahlung mit Wahl des Energiebereichs und der Polarisation. Die 46 Strahlrohre an Undulator-, Wiggler- und Dipolquellen bieten dem Nutzer eine fassettenreiche Mixtur von Strahlrohren und Messplätzen mit exzellenter Energieauflösung. Die Kombination von Brillanz und Photonenpulsen machen BESSY zu einem idealen Mikroskop für Raum und Zeit und ermöglichen Zeit- und Ortsauflösungen mit bis zu Femtosekunden auf Picometerskala.”)
tja und das ist noch längst nicht alles, denn auch im Norden des Bezirks, von Kennern Nordneukölln genannt, tut sich in letzter Zeit einiges. hierzu eine kurze Einleitung zum Thema:
“Nordneukölln blüht auf. Kneipen und Galerien öffnen in der Friedel- und der Braunschweiger Straße, und das „Freie Neukölln“ in der Pannierstraße wird von Mittzwanzigern überrannt. Dabei galt bisher: Wer es sich leisten kann, zieht da weg, sogar besserverdienende Migranten. Jene, die übrig blieben, prägten das Bild. Wegen der Fortzüge sanken die Mieten, und das war eine Voraussetzung für den Umschwung: „Am Anfang ziehen oft Studenten in solche Quartiere, weil sie sich teure Lagen nicht leisten können, aber nahedran sein wollen“, sagt Politikwissenschaftler Volker Eick. Nordneukölln grenzt an die beliebten Quartiere von Kreuzberg und Friedrichshain. Und Kiezmanager schaffen Freiräume: Sie überzeugen Hauseigentümer, den Zugezogenen leere Gewerbeflächen für wenig Geld zu überlassen. Diese öffnen Kneipen, Cafés, Galerien. Auf die Kneipen folgen Boutiquen, Design- und Feinkostläden. Dann steigen Preise und Umsätze, aber auch die Mieten der Läden. Bald wird es schick, im Kiez zu leben, aber nicht jeder kann es sich leisten – so wie in Prenzlauer Berg heute. In Neukölln beginnt gerade erst diese Entwicklung, die rund um die historische Stadtmitte herum wie der Zeiger auf einer Uhr verläuft: vom Norden (Prenzlauer Berg) über den Osten (Friedrichshain) nach Süden (Neukölln).” (aus dem Tagesspiegel)
naja, das mit der Gentrifikation habe ich mir mal von Jan erklären lassen, ist schon interessant irgendwie.
aber zurück zum Thema Wirtschaftsfaktor, bei Nordneukölln komme ich immer so schnell ins Träumen und Schwärmen, ach ja.
also, auch hier im Norden spürt man in letzter Zeit den Wirtschaftsboom, der Deutschland momentan so richtig durchrüttelt. Neben den bereits oben erwähnten unzähligen Cafes und Bars (ca. sieben momentan, zahlenmäßig den reudigen Eckkneipen noch deutlich unterlegen) findet man auch seriösere Produktions- und Dienstleistungsstätten. Zwei möchte ich nun kurz vorstellen.
Zunächst haben wir am Kielufer, unweit des Estrel Convention Centers (seinerseits “Europas größter Convention-, Entertainment- und Hotel-Komplex. Mit 1.125 Zimmern und Suiten, fünf Restaurants, zwei Bars, einem Schiffsanleger(!!!), einem Biergarten und der täglich stattfindenden Live-Show „Stars in Concert“!!!), die nur wenig kleinere Villa Lüzikhol. Es handelt sich hierbei um einen FESTsaal, äußerst festlich und mehr als nobel mit Wasserlage, leider ohne Schiffsanleger
.
Das Foto vermittelt eine Eindruck der Exklusivität der Villa. Das der Untermieter ALDI heißt, fällt kaum ins Gewicht, das Schild ist ja auch kaum sichtbar (rechts aussen, wenn man scharf hinschaut). Hier finden neben der täglich stattfindenden Tigershow mit Sigfried (ohne Roy, der machts nicht mehr) auch private Veranstaltungen wie Hochzeiten und Begräbnisse statt. Das Geschäft boomt und schon bald sollen weitere Villen das ganze Land überziehen. Wir freuen uns mit.
Nicht weit entfernt gelegen finden wir ein Warendrehkreuz der ganz anderen Art: Die Firma Intercan – Internationale Dönerproduktion. Hier werden täglich meherere Tausend Tonne Döner produziert, ständig fahren riesiege Laster mit Spießen vom Gelände in alle Welt. Die Firma hofft schon bald, einen eigenen Flughafen anbei zu bauen, vorrausgesetzt, ihre Zulassungsbefristung wird verlängert (sonst müssen sie wohl, wie man hier schön sehen kann, als eine der wenigen befristeten Fleischproduktionsfirmen schon bald dicht machen).
Auch hiervon ein kleiner Eindruck in Form eines Fotos:
Seltsam, dass ausgerechnet in so einer kleinen Dreckshalle unser leckerer Döner hergestellt wird. man mag es kaum glauben.
Damit sei es erstmal genug Neukölln für heute, lasst den Aufschwung nicht tatenlos an euch vorüberziehen!
recherchiert aus NN,
Chillipp Phornelius





Hossa. Ich muss hier mal ein großes Lob aussprechen. Ich hatte schon Angst, dass unser Medium nur noch dahinvegetiert. Kikis (kann mir die ständig wechselnden Synonyme nicht merken) Vorschlag der technischen Weiterentwicklung fand ich gut, jedoch hatte ich Angst, dass der Input nicht Schritt halten könnte. In den letzten Wochen waren qualitativ hochwertige Beiträge (dazu zähle ich nicht die Rezitation von Spiegelbeiträgen, die sowieso alle gelesen haben) leider Mangelware. Doch die drei letzten Beiträge haben gezeigt: Die Kosmoproleten leben! Ja mehr noch, sie stehen gerade erst am Anfang. An dieser Stelle also ein Lob an alle drei Beiträge. Gerade diese feinsinnige Alltagsbetrachtung hat mir doch sehr gefehlt.
Nun bin ich frohen Mutes und bin mir sicher, dass wir auch den geplanten technologischen Quantensprung ohne Probleme überstehen werden (ich würd meine 20 Cent im Monat auch zahlen).
Oh entschuldigung. Auch der vierte Artikel von dir, lieber Hopskäse, war sehr interessant. Dan hat ich gar nicht gesehen…
Stimme in allen Belangen zu, auch der von Kiki vorgeschlagenen technischen Weiterentwicklung! Was diesen Artikel angeht, schön und mit Liebe fürs Detail. Mal schaun, vielleicht werd ich ja auch in nicht allzu großer Zukunft Neuköllner…
Es grüßt Meulomat aus Mexikomat (Bald auch wieder mit einem Eintrag. Aber wo bleiben die Argentiniennews von der Nicothek?)