Einem jeden sollte mittlerweile klar sein, dass eine nächtliche U-Bahnfahrt mit der U8 immer großartige Unterhaltung ist. So auch heute wieder…
Nach einer nächtlichen Stärkung im Bagelladen am Hackeschen, wo ich vom türkischen Verkäufer “Mehmet” noch einen Salat geschenkt bekam, ging es Richtung U-Bahnhof und ab in die Partylinie U8, den Abenteuerspielplatz Berlins schlechthin. Bis Kotti alles noch sehr gemäßigt, ein paar extrem schöne Italierinnen, neben mir ein seltsames Schwulenpaar und daneben ein anderes Pärchen, das ihre Bioerdbeeren und Biobier auspackten. Da sie nichts abgeben wollten, wurden sie zu Recht von der einen schwulen Atze als Egoisten beschimpft.
Am Kotti angelangt tauschte sich die Hälfte der Fahrgäste aus. Herein kam ein relativ junger Kauz, der einen furiosen und überraschenden Freestyle mit englischen Inselakzent hinlegte. Als sein Rap genauso schnell wie er angefangen hatte wieder vorbei war, erzählte er mit englischem Akzent auf Deutsch weiter: Ob nicht irgenjemand einen Job für ihn hätte, er besitze nur noch einen Joghurt (da empfehle ich den Standort Kaisers am Kotti!) und jeden Tag Kotti und so sei irgendwie scheiße. Naja!
Hermannplatz lichtete sich langsam das Feld. Man könnte auch sagen, es trennte sich die Spreu vom Weizen, wobei für das Weizen noch ein Highlight kommen sollte… Auf den Versuch eines jugendlichen Asiaten, mit Fahrrad in den ersten Waggon zu steigen, kam die schallende Durchsage (ein jeder weiß kommt…) : “MIT DEM FAHRRAD NICHT IN DEN ERSTEN WAGEN!!!”. Der Jugendliche etwas verdutzt und ich immens am Feiern… Da quatschte mich noch mein Gegenüber an – ein älterer Herr, genauso am Feiern wie ich -, wie herrlich schroff doch die Berliner Art sei. Wir sollten froh sein, überhaupt im ersten Wagen mitfahren zu dürfen. Er könne ja auch sagen, “Keine Männer, alte Leute und Hunde im ersten Wagen!”…
Als wir beide Boddinstraße ausstiegen, war ich über das gute Abendprogramm der U8 genauso froh wie über die schnelle und klare Verabschiedung. Mit einem Lächeln im Gesicht stapfte ich die Treppen Richtung Wohnung und dachte daran, dass ausgerechnet heute FIL im Chamäleon zu Gast war…



herrlich…
- Ich sollte weniger Fahrrad fahren.
Stark!
New York hat aber auch einiges an U-Bahn-Spaß zu bieten. Erst gestern wieder ein quatschte mich und meine Leute ein Barde mit Sherlock Holmes – Mantel auf dem Bahnsteig an und brachte uns ein exklusives Ständchen (Beatles). Unser Zug kam, und er stieg ein. Ein anderer Zug kam, der uns schneller ans Ziel bringen würde. Der Barde folgte. Nach zwei Songs bat er zur Kasse und wir leisteten Folge. Die asoziale Bande uns gegenüber erdreistete sich allerdings, nach einem gleichsam exklusiven Ständchen dies nicht zu tun. Erst wurde an ihr Gerechtigkeitsempfinden appelliert. Dann wurde ein riesen Foto der Familie Obama (auf der Rückseite der Gitarre) präsentiert und auf den wahr gewordenen Traum hingewiesen. Als auch dieser enorm starke Sschachzug nicht fruchtete blieb unserem Protagonisten nur noch, diesen Geizkragen die Pest an den Hals zu wünschen: “You know, I’m not doing this for the money! It’s all about the vibes! This is karma, man! BAD, BAD karma!”
Und er rauschte von dannen…