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Rundumschlag

September 5th, 2008 by nicotek · No Comments · Ausland, Information | wong it!

Liebe Loide,

hier mal jetzt also so einfach mal ein kleines Input-Referat. Manche nennen es auch Roman. Lest’s oder auch nicht, wie ihr lustig seid!

Bin vor einer Woche hier angekommen, und die eine oder andere Sache gibt es auch schon zu berichten. Im Moment sitze ich im Wohnzimmer meiner WG in Queens im Sessel und werde wohl leider verhungern müssen, da ich derben Muskelkater in se Oberschenkels habe (Kniebeugen, meine Damen und Herren, man glaubt es kaum!!!). An aufstehen gar nicht zu denken. Aber ich will nicht klagen, denn schon in der Bibel steht bekanntlich: Leben is kein Ponyhof!

Was lässt sich also sinnvolles berichten? Ich habe mich in meinem Quartier hier schon ganz gut eingelebt. Es handelt sich um eine 5er Wg, in der neben mir und dem dem Ami-Hauptmieter eine krabbelviehscheue Deutsche mit mongolischen Wurzeln, und ein deutsches, linsenessendes Ehepaar Anfang 30. Dieses teutonische Übergewicht macht sich unter anderem an gemeinschaftlicher  Lebensmittelversorgung und Putzliste bemerkbar. Nicht ideal für die Sprachentwicklung, aber es sind nette Leute. Des weiteren haben wir scheints seit einigen Wochen viele nette Untermieter mit mind. 6 Beinen und matt schimmerndem Chitinpanzer; die gemeine Küchenschabe Blatta orientalis. Diese Invasion führte zu einem rigorosen Putzregime…wer mich kennt, weiß, wie viele Luftsprünge ich vollführt hab.
Mein Zimmer: klein, nett, möbliert mit dem Nötigsten. Morgens im 6 scheint die Sonne in die Fresse (zu kleine Vorhänge) und ein Rocker, der im Innenhof sein Motorrad abstellt, fährt ganz besonders gerne nachts nach 0 Uhr unter lautem Geknatter auf große Fahrt…schönchen!
Die Gegend hier (Astoria mit Namen) ist sehr ruhig. Viele Restaurants, ein paar Bars, ansonsten von Ägyptern und Griechen bevölkerte Wohngegend. In der Nähe ist ein Park, in dem sich abends mein Rocker mit Gleichgesinnten zusammenrottet und auf halbstark macht. Außerdem ist der Park auch recht hübsch…
Meine Wohngegend ist ein wunderbarer Kontrast zu dem, was ich mir in Uni-Nähe geben muss. Ecke 35igste Straße und 5th Avenue, schauts euch mal bei googlemaps an. Einmal über die Straße gehen, und man ist vollkommen von soviel Menschenmassen. Dazu Hitze, die der ganze Beton wunderbar speichert und abstrahlt…da kommt es ganz gelegen, dass im Gebäude gefühlte minus 5°, keine Fenster, die Gänge ein einziges Labyrinth. Man sucht nach einem Raum, läuft durch die Gegend und steht plötzlich wieder am Ausgangspunkt…aber das wird mit der Zeit auch besser, denke ich. Das einzige Seminar, dass bisher stattgefunden hat, erfüllte in jedem Fall meine Erwartungen: Der Seminarplan sieht für nächste Woche ca. 300 Seiten Literatur vor (”those who don’t read shouldn’t come…”), und für die Interessierten gibt es dann noch so 5-6 zusätzliche Texte. Naja, das hat man ja schon gehört…Mein anderes Seminar fängt Montag an, mal sehen was da so geht…

Tja, das sind jetzt mal so die hard fäkts…es gebe da noch schöne kleine Anekdoten zu berichten, wie etwa den West-Indian Carnaval am Montag. BBQ bei meinem betreuenden Prof, der scheinbar seinem selbst fabrizierten Punsch zugesprochen hatte. Als ich um halb zehn abends gejetlagt die Segel streiche nuschelt er mir beim Abschied doch recht deutlich angegangen etwas davon vor, dass ich ihn JEDERZEIT anrufen könne, wenn ich um 4 Uhr morgens abgezockt würde. Oder der farbige CD-Verkäufer in Manhattan, der mir seine Ware andrehen will. Als ich zu allem nein sage, fängt er an, ausfallend zu werden, da ich gesagt hätte, ich möge keine Afro-Amerikaner. Ob ich Jude sei, fragte er daraufhin. “Nein, wieso?” “Because you act jewish!” Naja gut, wenn das so ist…

Ok, Leude, ich glaube datt war jetzt mehr als genug. Hoffe meine Ergüsse hielten sich im Rahmen. Wer nichts dergleichen mehr hören will, sage Bescheid. Ansonsten gibt’s mal demnächst ein paar Fotos, wenn ich ne Kamera hab.

Eine Woche habe ich rumgekriegt im Großen Apfel, der Rest wird auch noch irgendwie vergehen… ;)
Machtet juuuut, meine Lieben!
Se Neico

Tags: die ersten tagen·New York·nico der jude

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