Immer wieder erstaunt und ärgert es mich, was für schlechte Filmrezensionen auftauchen in Zeitungen, aus denen man eigentlich mehr Qualität gewohnt ist. Die heutige Rezension zu Frost/Nixon, übrigens gestern gelaufen in der Sneak Preview in der Passage, aus der Süddeutschen bildet da mal wieder den Gipfel. Nicht zum ersten Mal werden Tatsachen offensichtlich vertauscht, dass man sich fragt, ob der Autor den Film überhaupt gesehen hat, fadenscheinige Verbindungen (Bush bietet sich da ja immer an) gezogen und die Geschichte des Films komplett inklusive Pointe und Schluss offen gelegt. Schon lange lese ich genau aus diesem Grund keine Rezensionen von Filmen, die ich nicht selber schon gesehen habe.
Ich werde mich nicht soweit aus dem Fenster lehnen zu behaupten, ich könne es besser. Aber von Zeit zu Zeit werde ich hier jetzt meine eigene, weitaus kürzere, Version einer Rezension aus dem aktuellen Film der Sneak Preview aus der Passage liefern. Liegt nahe, da ich dort sowieso regelmäßig anwesend bin.
Frost/Nixon also. Ein Film über den 37. Präsidenten der USA, der an der Watergate Affäre scheiterte und in der Folge im Jahre 1974 aus seinem Amt zurücktrat. Watergate stellte den Versuch einer umfassenden Bespitzelung von Demokraten, der in der Folge zahlreiche weitere Vergehen an der Pressefreiheit sowie Privatssphäre offen legte. Wer mehr über Watergate wissen möchte, der kann entweder wikipedia besuchen oder einfach den Film sehen. Sehr unterhaltsam und informativ sowie beeindruckend dargestellt von Frank Langella in der Rolle von Nixon hinterlässt der Film Wirkung. Es geht um den Schlagabtausch zwischen David Frost und Richard Nixon. Frost ist eigentlich britischer Talkmaster ohne wirkliche intellektuelle Klasse oder politische Schärfe und kommt mit viel Geld zu der Möglichkeit ein Interview mit Nixon über dessen Leben zu führen. Frost erhofft sich damit einen Karrieresprung auf dem amerikanischen Fernsehmarkt, Nixon eine positive Korrektur seines verruchten öffentlichen Bildes. Das ist spannend und führt stringent zum Höhepunkt der von der Öffentlichkeit und seinen Beratern mit Hoffnung erwarteten Befragung zum Watergate-Skandal.
Aufgebaut im Stile eines Dokumentarfilms mit eingespielten Kommentaren der Beteiligten (aber von den Schauspielern gesprochen) liegt der Film im Trend einer Fusion von Fiktion und Dokumentation. Er weiß zu unterhalten, auch wenn einige der Schauspieler schlichtweg nerven (Martin Sheen in der Rolle von Frost. Man fragt sich nur, wann er sein lächerliches Unsicherheitslächeln aufgibt. Leider nie!) oder blass bleiben (Rebecca Hall als seine Freundin ist in Vicky Christina besser aufgehoben). Trotzdem unterhaltsam und allen zu empfehlen, die mehr zur Präsidentschaft Nixons und Watergate wissen wollen und/oder gerne Politfilme sehen.


