Vor einiger Zeit hat in der Augustraße im beschaulichen Berlin-Mitte die Ehemalige Jüdische Mädchenschule wieder eröffnet, die drei Galerien, zwei Restaurants und ein Deli beherbergt. Ursprünglich wollte das C/O Berlin dort einziehen und auch von einem jener kunterbunt leuchtenden Casino Spiele war zwischenzeitlich die Rede, aber offensichtlich waren nun doch andere schneller.
Wen wundert’s, denn dieses Gebäude ist der Hammer. Drei Etagen inklusive ehemaliger Aula und Turnhalle, so stilgerecht und ästhetisch renoviert, dass der Charme der alten Gemäuer nicht abhanden kam.
Neben Gert Harry Lybke von der Galerie Eigen + Art, der die schmale Straße als Kunstmeile der 1990er Jahre mit etablierte, wagt auch Ute Hartjen von Camera Work, einer Galerie für Fotografie, den Sprung nach Mitte. Außerdem Michael Fuchs, der mit seinem gewohnten Galerie Programm aus der Galerie Haas & Fuchs Zeitgenössische Kunst und Werke der Klassischen Moderne zeigt.
Galeristen, die die noch freien Ausstellungsflächen im zweiten Stockwerk bespielen, werden noch gesucht. Sie wäre zumindest in guter Gesellschaft.
Zusätzlich befindet sich in der alten Turnhalle der Pauly Saal, eine Dependance der Macher von Grill Royal und King Size. Dort setzt der Küchenchef bewusst auf deutsche Küche. So gibt es, anders als im Grill Royal, nicht nur das Filetstück, sondern möglichst viel vom Tier. Zeitlose Hausmannskost für illustre Gäste.
Im Pauly Saal sind die Tische eigentlich viel zu eng gestellt für ein schickes Lokal und würden sich mit den grünen Samtsitzen eher für eine gute Partie Poker oder Black Jack eignen, aber mehr Platz ist dort eben einfach nicht. Dafür ist die Decke schön hoch und der Raum spiegelt sich in den Fenstern. Nur die Rakete, die über der offen einsehbaren Showküche hängt, mutend seltsam an, da sie trotz der Größe nach Spielzeug aussieht.
Zu guter letzt hat sich mit Mogg & Melzer ein kleiner Deli im geschichtsträchtigen Bau eingefunden und verkauft selbst gemachte Spezialitäten to go.
Alles in allem scheint mit der Wiedereröffnung der Mädchenschule als kunstvoll-kulinarische Wundertüte die Gentrifizierung der Auguststraße im Herzen Berlins als abgeschlossen. Und trotzdem lohnt es sich vorbeizuschauen:
Ehemalige Jüdische Mädchenschule, Auguststr. 11, 10117 Berlin.









