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	<title>KosmoproletenNacktscanner</title>
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	<description>LW45 and beyond</description>
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		<title>Nofretete, ihre Bodyguards und Ich</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 14:30:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>donpipo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Proletenkosmos]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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		<description><![CDATA[Eines Samstags kniff ich die Arschbacken zusammen und marschierte, wenn auch v&#246;llig verkatert, ins „neue Museum“. Um ehrlich zu sein wusste ich nicht was mich erwartete. Aber in Berlin wird KULTUR ja gro&#223; geschrieben und alle machten so ein riesiges Brimborium um diese H&#252;tte – also in jedem Fall gut mal drin gewesen zu sein. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines Samstags kniff ich die Arschbacken zusammen und marschierte, wenn auch v&#246;llig verkatert, ins „neue Museum“.<br />
Um ehrlich zu sein wusste ich nicht was mich erwartete.<br />
Aber in Berlin wird KULTUR ja gro&#223; geschrieben und alle machten so ein riesiges Brimborium um diese H&#252;tte – also in jedem Fall gut mal drin gewesen zu sein.<br />
Nach der dritten Aspirin und vier Plastikbechern Wasser aus einem Wasserspender konnte es los gehen:<br />
Pipo, das ist Geschichte, Geschichte das ist Pipo.<br />
Geschichte und ich verstanden uns die ersten zwei Ausstellungsr&#228;ume lang „gut“, im dritten „geht so“ und im vierten bereits erlag ich meinem Kater und begann abzuschweifen – der Audioguide rutschte mir von den Ohren und meine Aufmerksamkeit galt nur noch den Menschen um mich herum.<br />
Ich klinkte mich spontan in eine gebuchte Museumsf&#252;hrung ein und erfuhr, dass es nur noch f&#252;nf R&#228;ume dauert, bis die Nofretete kommt. Ich hielt inne…<br />
Nofre… wer? Warte mal, kenn’ ich doch… kurz gegr&#252;belt, ach ja! Wandertag f&#252;nfte Klasse… &#228;gyptisches Museum…BINGO: DIE Nofretete. Better known as „ Die K&#246;nigin von &#196;gypten“ aka. „Die sch&#246;nste Frau der Welt“. Damals eindeutig eine Nummer zu gro&#223; f&#252;r mich, aber heute? Gut zehn Jahre sp&#228;ter? Ich konnte es kaum abwarten… noch vier R&#228;ume, noch drei R&#228;ume, ich peitschte meine Begleitung durch Ruinen, ganze Bibliotheken aus Papyrus und bemalten W&#252;stenschmuck, dann war es soweit: Nur noch ein einziger Raum. Noch mal kurz bei einer Tourigruppe reingehorcht: Ah, im „Nofretete – Raum“ darf also nicht gesprochen werden, man bitte um Verzeihung, aber das Antlitz der K&#246;nigin soll in aller Stille und mit dem n&#246;tigen Respekt betrachtet werden…blablabla &#8211; ich st&#252;rmte hinein!</p>
<p>Doch was mich hier erwartete, war alles andere als die erhoffte Zweisamkeit zwischen mir und Nofretete. Die Besucher wurden n&#228;mlich jetzt schon seit f&#252;nf R&#228;umen so derma&#223;en angeheizt und aufgegeilt um sie dann im letzten Moment zu totaler Contenance zu zwingen – das geht eben in die Hose.<br />
Der Raum der „k&#246;niglichen Ruhe“ entpuppte sich als ein Raum mit original „Hallenbadakustik“. Jeder Schritt auf dem Boden, jedes Fl&#252;stern der rund 50 Besucher, jedes Husten, jedes R&#228;uspern vermischte sich zu einem Ger&#228;uschintermezzo der ganz besonderen Art. Von allen vier Seiten ist die Nofretete zu betrachten, was dazu f&#252;hrte, dass die Horde st&#228;ndig in Bewegung war. Als ich mir also gerade ein optimales Sichtfenster auf Nofretetes Mundpartie erk&#228;mpft hatte, schob sich wieder eine Reisegruppe von links direkt vor meine Nase.<br />
Die vielen Leute, die st&#228;ndige Bewegung, die Ger&#228;usche – ich empfand genau das Gegenteil von dem was ich sollte, n&#228;mlich … Unruhe!<br />
Was ich noch nicht wusste, das „Fortefortissimo“ von Unruhe stand mir noch bevor. Denn auf einmal peitschte eine Stimme, die so klang als h&#228;tte man der Gorillamutter im Berliner Zoo ihr Neugeborenes geklaut, durch den Raum: „ EYYYYY, WAT DENN WAT DENN!!! KEINE FOTOOOOS!!! K&#214;NN’ SE NICH LESEN??!! … schrie es aus zwei Ecken fast gleichzeitig. Alle Augen im Raum richteten sich auf eine Person.<br />
Im selben Moment sprang ein dritter leicht &#252;bergewichtiger Museumsaufseher im klassischen Hellblau-Dunkelblau-Dress (mit Schl&#252;sselkette) aus dem Nichts vor die Linse einer kleinen Digitalkamera, die gerade im Begriff war auszul&#246;sen.<br />
Innerhalb von 0, 357 Sekunden war der Feind umzingelt.<br />
Es handelte sich um eine Frau mittleren Alters die genau vor 0, 358 Sekunden in aller Seelenruhe ein Urlaubsfoto knipsen wollte – denkste… nicht hier, nicht mit ihnen. Ich wei&#223; nicht wo die drei Herren in Blau so schnell herkamen, ich wei&#223; nur: mit denen war nicht zu spa&#223;en. Die Jungs nahmen ihren Job soo richtig ernst.<br />
Ab jetzt galt meine Aufmerksamkeit nur noch den ´´BlueBoys`.<br />
Das waren eigentlich arme, versoffene, gescheiterte berliner Existenzen, aber hier fanden sie ihre B&#252;hne. Schlie&#223;lich besch&#252;tzen sie ja nicht irgendwen, sondern die (!!) Nofretete, die sch&#246;nste Frau der Welt. Sobald auch nur ein Besucher seine Arme anwinkelte um vielleicht nach seiner Kamera zu greifen, wurde er von sechs Augen dreimal gescannt – keine Chance! Berlin bleibt hart!<br />
Ich stellte mir vor, wie die drei am D&#252;sseldorfer Flughafen ihre Karriere als „Sonderbeauftragte“ f&#252;r Nacktscanner fortf&#252;hren w&#252;rden und lie&#223; die Nofretete, ihre Bodyguards und eine v&#246;llig verst&#246;rte Museumsbesucherin zur&#252;ck. Vielleicht gehe ich mal wieder hin, dann aber nur der Aufseher wegen.</p>
<p>In tiefer Ehrfurcht vor seinem unerm&#252;dlichen Einsatz im Dienste der Pressefreiheit widme ich diesen Text dem Fotografen dieses Fotos.<br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-1343" src="http://www.kosmoproleten.com/wp-content/uploads/2010/02/Nofretete1.JPG" alt="Nofretete" width="800" height="532" /></p>
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