Ein kleiner Erlebnisbericht aus dem New Yorker Schulleben. Ich hab mich hier bei einer Organisation eingeschrieben, die ausländische Studenten in New Yorker Schulen schickt, um den Schülern ihr Heimatland näher zu bringen oder über ein spezielles Thema mit ihnen zu sprechen. Gestern war es an mir, zwei Stunden über Deutschland im 2. Weltkrieg zu unterrichten…
Die Schule war mitten in der Bronx, der Himmel war von heiter bleiernem Grau; das war schon mal ein bedrückendes Szenario. Ich wählte dann zunächst den falschen (Hinter-)Eingang, wodurch ich über einen ebenso grauen Parkplatz zu einer Art Gefängniszaun kam, der den Zugang zu einigen heruntergekommenen Containern versperrte (für alle Käthe-Cruiser: so wie unsere Dinger, nur 10.000mal abgefuckter). Einige Schüler nutzten diesen Eingang, die Dame im Wachhäuschen wies mich aber zum Haupteingang. Der war schon um einiges ansehnlicher, sieht man vom Metaldetektor einmal ab, durch den man geschleust wurde. Im Klassenzimmer begrüßte mich die Klassenlehrerin wenig enthusiastisch und mit stoischem Blick. Eine der Schülerinnen begrüßte sie mit einem “pound”.
Die erste Unterrichtsstunde hab ich dann so vor 5-6 Schülern gehalten, einige weitere trudelten während der Stunde noch ein. Ich kam mir etwas seltsam vor in dem großen Raum, aber es lief eigentlich ganz ok. Die Maschinengewehre in dem Filmchen, das ich zeigte, kamen auf jeden Fall gut an, und an Bildern von Berlin waren die Kids auch recht interessiert.
Dann kam die 2. Stunde. Der Praktikant benannter Organisation sagte mir, diesmal wäre es sicher anders, weil jetzt alle Schüler da seien und niemand während der Stunde hereinkäme. In der Tat! Zwei Klassen wurden zusammengewürfelt, und das Chaos brach aus. Wer mich kennt, weiß, dass ich 1. sowieso immer zu laut rede und 2. diese Lautstärke auch ohne Probleme nochmal um einiges hochschrauben kann, wenn es die Situation erfordert. Hier aber sah ich mich einem konstanten Lärmpegel gegenüber, der mir alles abverlangte. Von ca. 30 Schüler und Schülerinnen hörten ca. 4 zu und eine handvoll weiterer schenkte mir gelegentliches Interesse. Ansonsten wurde eher lauter als leiser gequasselt und diskutiert, egal ob weit hinten im Raum oder direkt vor meiner Nase. Die angenehmeren Kandidaten waren dann noch diejenigen, die sich direkt auf ihren Platz setzten und den Schlaf der gerechten schliefen. Zu diesen gehörte im Übrigen auch der Hilfslehrer, der eigentlich die Lehrerin bei der Aufsicht unterstützen sollte. Die ganz coolen Hunde zogen es vor permanent aufzustehen und hinter, neben oder vor mir herumzustehen, ab und zu durch das Bild des Beamers zu laufen, und allerlei vollkommen bekloppte Fragen zu stellen. Die Lehrerin begnügte sich damit, ab und an mal mit resignierter Stimme zur Ordnung aufzurufen. Der Praktikant gab sich alle Mühe, konnte aber auch nichts ausrichten. Auf direkte Aufforderungen zur Ruhe folgte nicht einmal die kleinste Reaktion. Ich selbst versuchte es auch immer wieder mit Appellen an das gute Gewissen (“Please, guys! I don’t wanna have to scream all the time!”), Ködern (“If you guys are quiet, I’m gonna tell you about Nazis in Germany TODAY!” – ca. 10 Sek. interessiertes Aufschauen…), und lautem Pfeifen (ungefähr null Reaktion). Das alles half nichts, ich konnte die meiste Zeit nicht einmal die Leute verstehen, die mir Fragen stellen wollten. Einige Leute meinten im Nachhinein, ich hätte meine Presentation rappen sollen, aber ich vermute dann wäre ich ausgelacht oder erschossen worden…
Ich war auf jeden Fall ganz schön heiser und erschöpft nach einer Stunde. Man kann sich wirklich nur mit Grausen vorstellen, wie man sich sowas als Lehrer/in jeden Tag geben muss. Hartes Brot!
Das hat wohl jeder auf SpOn gelesen: Vor Manhattan musste am Donnerstagnachmittag ein Airbus notwassern, alle 150 Passagiere wurden gerettet; zum Teil aus dem eisigen Wasser des Hudson Rivers.
Interessant dabei war, dass der Mikro-Blogging-Dienst Twitter in Kombination mit einem iPhone die traditionellen Medien um Längen in Sachen aktueller Berichterstattung und Schnelligkeit geschalgen hat: Der iPhone-Benutzer Janis Krums war zufällig auf der Hudsonfähre unterwegs, die rasch zu Hilfe eilte und schrieb Mediengeschichte: Er machte ein Foto und sendete es über seinen Twitteraccount auf TwitPic. Die großen Massenmedien folgten!
Der Bürger-Reporter erobert sich einen Platz neben dem Profi-Reporter!
Irgendwie abgefahren…
nach Äonen des Schweigens, hier mal wieder ein Informationspaket. Ich entschuldige mich für die lange Sendepause! Verschiedenste Umstände wie die Hände, die mit zu tun voll sind, und ganz toller Besuch (Huhu, Nadja!
) hielten mich vom Computerus fern. Nachteil für euch: das wird jetzt natürlich recht viel Gefasel. Nun aber zu den Fakten! Wir sind mitten im dritten Monat meines Aufenthalts im großen Apfel. Fast Drittelpause und somit Zeit für ein Resümeh. Was hat sich zugetragen?
Das Semester geht in die Zielgerade, was man zweifelsfrei an meinen gut gelaunten Augenringen ablesen kann. Viel zu tun, aber zum Ausgleich sehe ich arbeitsfreien Semesterferien entgegen. Fairer Deal, das gab’s schon länger nicht mehr! Von zwei Kursen ist einer (European and American Cities) ziemlich ätzende Laberei, die Hausarbeit wird aber ganz nett, so dass man’s aushalten kann. Der zweite (Ethnography Research) ist spitze, mit einem sehr witzigen und guten Dozenten, fitten Mitstreitern und einem lustigen Projekt: Ich glotze Leuten in der Metro in die Augen und warte drauf, dass mir einer eine kellt (so in etwa…). Dann mach ich noch eine „independent study”, was so viel heißt wie kümmere dich um deinen Scheiß und sieh zu wie du am Ende eine Hausarbeit draus machst. Der Prof kackt derbe drauf und lässt mich gerne mal auf meinen Fragen sitzen. Da habe ich noch einiges vor mir, fürchte ich.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich eine sehr nette Sportstätte gefunden, an der ich nun seit geraumer Zeit die Fäuste schwinge. Der Laden ist in der Bronx, wird von einem City Department betrieben und belastet daher nicht zu sehr den Geldbeutel. Mindestens eine Dusche ist immer kaputt und läuft 24/7. Einmal bin ich einem Typen in der Dusche begegnet, der ein riesiges Kreuz hatte und zum Duschen ne Badehose anhatte. Auf den Gängen im ersten Stock hängen eingerahmte Fotos mit Titeln wie „Leadership” (ein Weißkopfadler im Profil), „Courage” (ein majestätischer Löwe), „Commitment” (ein Elefant), usw. Sehr amerikanisch, das.
Die nach Abzug von Uni und Sport verbleibende Zeit verbringe ich dann ganz gerne mal mit den Leuten, die ich hier quasi schon frei Haus geliefert bekommen hab: der Joscha, meine Programm-Kolleginnen, Antoine (aka Francois, aka le Baguette, du weißt schon Janosch), und Randall, ein Kumpel aus Philadelphia, der seit langem in New York lebt. Die großen neuen Freundschaften haben sich noch nicht ergeben. Ich hab wohl auch noch nicht den ganz großen Aufwand betrieben, um daran was zu ändern. Mal sehen, was da noch geht…
Dann natürlich die Wahl: Amiland berauscht sich an der eigenen Demokratie, WM-Stimmung in den Straßen, Fahnenmeere, OBAMAAAAAAA. Der Heiland spricht in seiner Rede von „the greatest nation on earth”. Schauder…
So, das waren im Prinzip die Eckdaten. Noch einige Anekdoten zur allgemeinen Erheiterung:
Die antisemitischen CD-Verkäufer („Hey, check out ‚my‘ CD!”) an der Ecke 34th St./Broadway habe ich mittlerweile gut unter Kontrolle. Durch geschicktes Ausnutzen menschlicher Schutzschilder gelingt mir in den meisten Fällen die Flucht ohne größere Zwischenfälle.
Sehr schön: Ich und eine Freundin in der Nähe des Union Square, orientierungslos. Ich frage den nächsten Passanten nach der Richtung. Tom Cruise antwortet, indem er sein Hollywood-Lächeln anknipst: „I don’t know, um, eh…” und blickt rüber zu Katie, Die hat auch nur Zahnfleisch, aber keinen Rat übrig, und das Töchterchen aufm Arm weiß vielleicht bescheid, kann aber bisher nur sabbern. Zum Glück gibt’s noch Ortskundige -angekommen sind wir dann schon noch.
Extrem stark auch: Ein Pillow-Fight war angesetzt. Man sollte sich versammeln, zur abgesprochenen Uhrzeit die Kissen zücken und 15min Keilerei veranstalten. Leider waren außer einigen Dutzend Kissenkämpfern auch GI Joe und seine Bullentruppe am Start. „100$ fine for a swing with the pillow, guys!”. So stellt man sich’s vor im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Geschwungen haben wir dann aber doch noch, kurz und eingeschüchtert. Vorschlag: Im Sommer wird so ein Ding in Berlin gedreht, und ihr alle kriegt mächtig eins übergebrezelt!
Nun gut, ich hätte noch ein, zwei auf Lager, aber ich entlasse euch lieber mal. Man sollte die Freundschaft nicht auf zu harte Proben stellen. Danke für’s Zuhören, beste Grüße, und ich hoffe es geht euch allen behstäns! Lasst von euch hören, wenn’s mal passt. Wenn nicht, sieht man sich hoffentlich Weihnachten. 23.12. bis 4.1. wird Berlin unsicher gemacht!
Gehabt euch wohl!
Die Nicose
Ps. Sorry für die triple mail attack, aber ich wollte fotos und mail nich mischen. Wer weiß wie viele von euch steinzeit-mailaccounts mit euch rumschleppen…
Pps. An alle Viadrina-Kandidaten: Euer Prof entpuppte sich recht schnell als Pedofisling, der’s mit dem einen Mädel aus meinem Programm etwas zu gut meine („Willst du dir noch meine Wohnung anschaun?”)…nach der dritten Woche Seminar!! Räudiger Peter!
Liebe Loide,
hier mal jetzt also so einfach mal ein kleines Input-Referat. Manche nennen es auch Roman. Lest’s oder auch nicht, wie ihr lustig seid!
Bin vor einer Woche hier angekommen, und die eine oder andere Sache gibt es auch schon zu berichten. Im Moment sitze ich im Wohnzimmer meiner WG in Queens im Sessel und werde wohl leider verhungern müssen, da ich derben Muskelkater in se Oberschenkels habe (Kniebeugen, meine Damen und Herren, man glaubt es kaum!!!). An aufstehen gar nicht zu denken. Aber ich will nicht klagen, denn schon in der Bibel steht bekanntlich: Leben is kein Ponyhof!
Was lässt sich also sinnvolles berichten? Ich habe mich in meinem Quartier hier schon ganz gut eingelebt. Es handelt sich um eine 5er Wg, in der neben mir und dem dem Ami-Hauptmieter eine krabbelviehscheue Deutsche mit mongolischen Wurzeln, und ein deutsches, linsenessendes Ehepaar Anfang 30. Dieses teutonische Übergewicht macht sich unter anderem an gemeinschaftlicher Lebensmittelversorgung und Putzliste bemerkbar. Nicht ideal für die Sprachentwicklung, aber es sind nette Leute. Des weiteren haben wir scheints seit einigen Wochen viele nette Untermieter mit mind. 6 Beinen und matt schimmerndem Chitinpanzer; die gemeine Küchenschabe Blatta orientalis. Diese Invasion führte zu einem rigorosen Putzregime…wer mich kennt, weiß, wie viele Luftsprünge ich vollführt hab.
Mein Zimmer: klein, nett, möbliert mit dem Nötigsten. Morgens im 6 scheint die Sonne in die Fresse (zu kleine Vorhänge) und ein Rocker, der im Innenhof sein Motorrad abstellt, fährt ganz besonders gerne nachts nach 0 Uhr unter lautem Geknatter auf große Fahrt…schönchen!
Die Gegend hier (Astoria mit Namen) ist sehr ruhig. Viele Restaurants, ein paar Bars, ansonsten von Ägyptern und Griechen bevölkerte Wohngegend. In der Nähe ist ein Park, in dem sich abends mein Rocker mit Gleichgesinnten zusammenrottet und auf halbstark macht. Außerdem ist der Park auch recht hübsch…
Meine Wohngegend ist ein wunderbarer Kontrast zu dem, was ich mir in Uni-Nähe geben muss. Ecke 35igste Straße und 5th Avenue, schauts euch mal bei googlemaps an. Einmal über die Straße gehen, und man ist vollkommen von soviel Menschenmassen. Dazu Hitze, die der ganze Beton wunderbar speichert und abstrahlt…da kommt es ganz gelegen, dass im Gebäude gefühlte minus 5°, keine Fenster, die Gänge ein einziges Labyrinth. Man sucht nach einem Raum, läuft durch die Gegend und steht plötzlich wieder am Ausgangspunkt…aber das wird mit der Zeit auch besser, denke ich. Das einzige Seminar, dass bisher stattgefunden hat, erfüllte in jedem Fall meine Erwartungen: Der Seminarplan sieht für nächste Woche ca. 300 Seiten Literatur vor (“those who don’t read shouldn’t come…”), und für die Interessierten gibt es dann noch so 5-6 zusätzliche Texte. Naja, das hat man ja schon gehört…Mein anderes Seminar fängt Montag an, mal sehen was da so geht…
Tja, das sind jetzt mal so die hard fäkts…es gebe da noch schöne kleine Anekdoten zu berichten, wie etwa den West-Indian Carnaval am Montag. BBQ bei meinem betreuenden Prof, der scheinbar seinem selbst fabrizierten Punsch zugesprochen hatte. Als ich um halb zehn abends gejetlagt die Segel streiche nuschelt er mir beim Abschied doch recht deutlich angegangen etwas davon vor, dass ich ihn JEDERZEIT anrufen könne, wenn ich um 4 Uhr morgens abgezockt würde. Oder der farbige CD-Verkäufer in Manhattan, der mir seine Ware andrehen will. Als ich zu allem nein sage, fängt er an, ausfallend zu werden, da ich gesagt hätte, ich möge keine Afro-Amerikaner. Ob ich Jude sei, fragte er daraufhin. “Nein, wieso?” “Because you act jewish!” Naja gut, wenn das so ist…
Ok, Leude, ich glaube datt war jetzt mehr als genug. Hoffe meine Ergüsse hielten sich im Rahmen. Wer nichts dergleichen mehr hören will, sage Bescheid. Ansonsten gibt’s mal demnächst ein paar Fotos, wenn ich ne Kamera hab.
Eine Woche habe ich rumgekriegt im Großen Apfel, der Rest wird auch noch irgendwie vergehen… ![]()
Machtet juuuut, meine Lieben!
Se Neico
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