Sich über Facebook aufzuregen, ist heute ungefähr so spannend wie über das Wetter zu meckern. Es ist halt da, ist im Kern böse und schlecht, ähnlich wie das Wetter. Das ist zwar vielleicht nicht böse und schlecht, aber regnerisch und unzuverlässig (zumindest in deutschen Breitengraden). Der Klimawandel kommt noch dazu und macht es auch nicht besser. Wie gesagt, es ist halt da und man kann wenig daran ändern. Oder wie ein alter Mutterspruch lautet: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Im Falle des Internets hieße das dann so in etwa: Es gibt kein schlechtes Internet, es gibt nur schlechte Unternehmen? Naja, so oder so ähnlich.

Jedenfalls hätte ich nicht daran gedacht, mich je einmal über das digitale Gesichtsbuch auszulassen. Hätte, würde, könnte. Nun hat wieder einmal Marc Zuckerberg die Zügel angezogen und zur großen digitalen Machtergreifung angesetzt. Man könnte ihn mittlerweile auch den größenwahnsinnigisten Imperialisten nennen. Und das noch vor einem gewissen Ex-US-Präsidenten.

Was bedeuten die neuesten Änderungen konkret? Ich zähle nur zwei auf, die zu den wichtigsten zählen.

1. Facebook erstellt eine Timeline, eine Art archiviertes Gedächtnis, nach der alle Änderungen und Einträge punktgenau zurückverfolgt werden können. Die ganz eifrigen können sogar Ereignisse nachtragen, die vor die Zeit von FB fallen. Daraus entsteht eine persönliche Lebensgeschichte: “Die Facebook-Zeitleiste ist die Geschichte deines Lebens. Deine Geschichte, deine Anwendungen drücken aus, wer du bist.”

2. Facebook strebt danach, alle Internetaktivitäten zu bündeln. Auch nichts neues, aber dieses Mal hat man das Gefühl, dass es einen Schritt weiter geht. Es wird nun möglich, seine Musik über FB zu hören, Filme zu sehen und Nachrichten zu lesen. Am Ende gibt es kaum noch einen Grund, FB zu verlassen. Wenn alles funktioniert und die Leute den digitalen Seelen-Striptease mitmachen, kreiiert FB sein eigenes Internet. Es wird nach und nach alle anderen Dienste ablösen.

Der ein oder andere wird sich jetzt vielleicht denken, hat doch alles seinen praktischen Zweck. Es erspart mir Zeit und Aufwand, in dem es meine Interessen und Aktivitäten an einer Stelle bündelt.

Doch vergessen wir hier, dass Informationen nur noch nach unseren veröffentlichten Vorlieben gefiltert werden. Ein großer Teil fällt von vornherein raus. So funktioniert es mit der personalisierten Werbung und so wird es auch mit allen anderen Dingen ablaufen. Nach und nach geben wir unsere eigene Entscheidungsgewalt ab. Was bei google schon lange Realität ist, könnte hier eine nächste Stufe weitergehen. Doch wollen wir das überhaupt? Wollen wir die totale Überwachung und die Abgabe unserer Lebensgeschichte an ein profitorientiertes Privatunternehmen mit einem größenwahnsinnigen Jungmilliardär an der Spitze?

Wer das nicht mehr mitmachen will, dem bleiben zwei Möglichkeiten: Erstens einfach austreten. Zweitens darauf hoffen, dass die Hacker von anonymous am 05. November tatsächlich FB zerstören:

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