Es gibt Vorstellungswelten, die so abgefahren sind, niemand kann sie glauben. Es sei denn man hört ganz genau zu, mit gespitzten Ohren und 3-4 Bier sitzen. Letztens in einer Kreuzberger Bar, spät, mehr als 3-4 Bier drin, höre ich einem Berliner zu. Er erzählt mir folgendes:

In Wirklichkeit bin ich ein Schmetterling oder eine Motte, das weiß ich noch nicht genau.. auf jedenfall durchlaufe ich nacheinander die Stadien -in meinem Leben- die ein Schmetterling oder eine Motte in einer Lebenszeit durchlaufen.

Da stutze ich schon und wage einen tiefen Blick ins Glas. Mal ganz ehrlich: auf den Butterflyeffect hab’ ich ja gerad’ überhauptgarkeinen Bock, aber der Typ schaut so bedöppert, den kann ich jetzt hier nicht sitzenlassen.

Du musst Dir das so vorstellen: Ich war jahrelang eine fette, hässliche Raupe, die maximal alles konsumiert hat, was mir vor den Rachen kam.

Kenn ich…

Dann ging es steil bergab. Ich habe erkannt wer ich bin und fand mich so ekelerregend, dass ich beim besten Wille nicht länger die fette Raupe sein wollte, sondern eben irgendwas anderes. Also beschloss ich mich zu ändern.

Achso.. und dann?

Ich habe mich kokoniert.

Ach echt? Wie das?

Ich habe massiv geschlafen.

Faulet Stück!

Ohja, sehr faul, ich habe auch aufgehört zu essen und stundenlang meinem Herzschlag zugehört, wie er immer leiser und langsamer wurde. Ich dachte damals ich sterbe vor Unglück.

hmm..

ja, das war nicht schön.

Und dann?

ich bin von Stadt zu Stadt getragen worden, habe Menschen zugehört ohne freilich jemals etwas eigenes sagen zu können, denn vor allem anderen ist mir meine eigene Stimme verloren gegangen.

Du warst stumm..

Ja.

Furchtbar!

Nein.

Nein?

Nein, es war mir sehr recht. Wie durch einen diaphanen Schleier beobachtete ich die Welt und wie eine verstörte Katze, dachte ich mit Schaudern über diese Welt nach, in der ich nicht länger leben wollte.

Nicht länger leben wollen?

Ja. Nur sterben, das wollte ich auch nicht.

Was wolltest Du eigentlich?

Im Nachhinein glaube ich, ich wollte etwas finden, an das ich glauben konnte, etwas Gutes gegenüber all dem Bösen in der Welt.

Und? hastes gefunden?

Ja.

Na dann is ja gut.

Kann man so sagen.

Willste noch einen trinken?

Ja, warum nicht…

Ich geb’ einen aus.

Find ich gut.

Ne?!

Jaman.

Ey, das ist mein Spruch!!

Is es?

Jaman.

Na, dann sind wir jaman endlich angekommen.

Wo denn?

Ich habe keine Ahnung.

Also, Herr Schmetterling, Kokon also, ha?

Ja, sehr lange Kokon.

Und dann?

Hab ich mich ausgepellt..

Weil Du etwas Gutes in der Welt finden konntest.

Nein. Das war schwieriger. Irgendwann in meinen Gedanken und Träumen -tatsächlich gab es da kaum mehr einen Unterschied, ich schlief ja eh die meiste Zeit- wurde mir klar, das Gut und Böse Teil der gleichen Geschichte sind.

Aso…

Ja. Also beschloß ich nicht länger nach dem Guten sondern auf ein Neues nach dem Schönen zu suchen.

Ahja, sehr schön!

Ja. Aber auch das war schwierig. Kunst, Musik, Literatur, alles hab’ ich mir angeschaut and angehört und gelesen undsoweiterundsofort…

Frauen sind auch ganz hübsch, oder? Schaumal die dahinten..

Und genau das war es! Irgendwann… ohja, die is hübsch. Irgendwann musste ich raus da, weil das Leben nunmal stattfindet, egal wieviel Du nachdenkst und liest oder arbeitest. Ich wollte selbst Erfahrungen sammeln. Also beschloss ich mich als aller erstes einmal umzubringen und mir ganz genau zu überlegen, wie das mit Jesus Christus und Mohammed und den grossen Boddhisattvas, vor allem Manjushri und Samantabhadra war.

Da konnte ich nicht mehr ging auf’s Klo, würgte dreimal und verabschiedete mich polnisch. Der Typ war zu hart. Ich frage mich manchmal, wer eigentlich dafür verantwortlich ist, dass alle Psychopathen dieser Stadt ausgerechnet neben mir auf’m Barhocker landen. Piss die Wand an!

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2011-06-27

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